Grid Computing vs. Cloud Computing

Wie so oft wenn in der IT neue Begriffe auftauchen, sorgt zur Zeit auch das inzwischen nahezu allgegenwärtige “Cloud Computing” für Verwirrung. “Was ist das denn anderes als Grid Computing?”, “Das ist doch nur das neue Outsourcing!”, “Wir haben auch Virtualisierung im Unternehmen!” sind gängige Aussagen, die zur Zeit die Runde machen. Die Frage ist also, was ist denn nun Cloud Computing und wie grenzt es sich gegenüber verwandten Feldern ab?

Unter Cloud Computing versteht man einen Ansatz zur Bereitstellung von IT-Dienstleistungen jeglicher Art, der primär die Komplexität des dahinterstehenden umfangreichen Rechnernetzes in verschiedensten Rechenzentren und an verschiedensten Standorten rund um die Welt vor dem Nutzer dieser Rechenleistung verstecken soll. Die Hauptparadigmen sind Standardisierung, Virtualisierung und Automatisierung, die Prämissen sind bedeutend höhere Flexibilität, einfache Nutzung, “Selbstbedienung”, die Illusion unendlicher Rechenleistung sowie ein Kostenvorteil durch die Nutzung von Skaleneffekten.

Die Abgrenzung gegenüber dem Grid Computing ergibt sich damit aus der Standardisierung, der einfachen Nutzung, der höheren Flexibilität sowie der zentralen Steuerung. Während ein Grid aus massiv heterogenen Elementen bei verschiedensten Anbietern bzw. Teilnehmern besteht, existiert im Cloud Computing ein Anbieter, der seine Leistungen über hoch standardisierte Schnittstellen nach außen bereitstellt. Daraus resultiert auch die einfachere Nutzung, die es im Falle einer Cloud erlaubt mit diesen standardisierten Zugriffsmöglichkeiten zu arbeiten während im Falle eines Grids meist speziell auf das explizite Grid zugeschnittene Software entwickelt werden muss. Zu guter letzt besteht ein großer Vorteil der Cloud darin, dass Rechenleistung im Bereich von Stunden oder gar Minuten zugekauft oder abgestoßen werden kann. Im Gegensatz dazu erfordert ein Grid meist eine langjährige Teilnahme mit entsprechender Bindung an dieses eine Grid.

Selbstverständlich ist das Cloud Computing gewissermaßen auch eine Form des Outsourcing, schließlich wird dabei die Verantwortung für eine Leistungserbringung an einen externen Anbieter vergeben. Der Unterschied zu einem reinen Outsourcing des Rechenzentrums liegt jedoch wieder in der deutlich höheren Flexibilität. Nehmen wir den Fall eines Internet-Shops an, der Produkte online vertreibt. Zu Weihnachten und Ostern wird dieser eine deutlich höhere Auslastung seiner Infrastruktur spüren als sonst. Da der Verlust von Kunden für diesen Händler teurer ist als zusätzliche IT-Infrastruktur, wird er sein, nehmen wir es als an einen externen Outsourcing-Partner ausgelagert an, Rechenzentrum auf diese Lastspitzen dimensioniert wissen wollen. Der Outsourcing-Partner wird ihn dafür selbstverständlich zur Kasse bitten, auch wenn zu normalen Zeiten die Infrastruktur mit einer Auslastung von 15%-20% gelangweilt herumsteht. Durch die schnelle und voll automatisierte Provisionierung von Rechenleistung in der Cloud, könnte dieser Shop bei der Nutzung einer Cloud während des gesamten Jahres lediglich die normalerweise benötigten 15%-20% Rechenleistung einkaufen und diese dann im Bedarfsfall rund um entsprechende Feiertage auf die nötigen 100% aufstocken, danach jedoch genauso einfach, schnell und flexibel wieder abbauen. Selbst wenn sich der Cloud-Provider diese Flexibilität mit höheren Kosten pro Einheit Rechnerleistung bezahlen lässt, ist durch die große Auslastungsschwankung mit einem deutlichen Kostenvorteil zu rechnen.

Dass eine Cloud massiv auf Virtualisierung aufsetzt, wurde bereits in der Begriffserklärung erwähnt. Trotzdem ist Virtualisierung von Rechnerleistung alleine noch lange keine Cloud. Das Unterscheidungsmerkmal liegt hier im Automatisierungs- und Standardisierungsgrad. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus weiß ich, dass in den meisten Unternehmen der Prozess vom ersten Antrag bis zur Bereitstellung der virtuellen Maschine für den beantragenden Mitarbeiter Tage bis Wochen dauern kann und dabei oftmals die virtuellen Maschinen gar von Hand angelegt werden. Verglichen mit Cloud-Providern, bei denen die Bereitstellung einer neuen virtuellen Maschine meist wenige Klicks und eine Wartezeit im Minutenbereich entfernt liegt, ist ein massiver Unterschied festzustellen. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass einmal erhaltene virtuelle Maschinen im seltensten Falle zurückgegeben werden, selbst wenn man sie eigentlich nicht mehr benötigt. Damit liegt eigentlich anderweitig nutzbare Rechenleistung brach. Wenn ein Mitarbeiter jedoch weiß, dass er seine virtuelle Maschine beim nächsten Bedarf tatsächlich wieder unkompliziert und innerhalb weniger Minuten erhält, er im Gegenzug jedoch für jede genutzte Minute, Stunde, Woche einen gewissen Verrechnungsbetrag bezahlt, wird er sehr viel eher bereit sein, seine reservierte Rechenleistung dem tatsächlichen Bedarf anzupassen. Eine bedeutende Effizienzsteigerung in der Auslastung der IT-Infrastruktur ist die Folge.

Da der Begriff des Cloud Computing noch recht neu ist, wird es vermutlich noch eine Weile dauern bis Erfahrungen in der Anwendung es ermöglichen eine klare Einordnung zu schaffen. Zu einigen Bereichen ist jedoch schon eine recht gute Abgrenzung möglich, die dieser Artikel erläutert hat.

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