Was hat Soziologie eigentlich mit Wirtschaftsinformatik zu tun?

In vielen Definitionen der Wirtschaftsinformatik, nicht zuletzt auch bei Wikipedia, wird die Soziologie als beeinflussend für die Wirtschaftsinformatik genannt. Ich selbst habe im Masterstudium als betriebswirtschaftliche Vertiefungsrichtung “Management- und Kultursoziologie” gewählt. Seitdem musste ich mich schon mehrfach der Frage stellen, die den Titel dieses Artikels bildet: Was hat Soziologie eigentlich mit Wirtschaftsinformatik zu tun?

Der offensichtlichste Kontaktpunkt der Wirtschaftsinformatik mit der Soziologie ist sicherlich die Führung von Mitarbeitern. Als Wirtschaftsinformatiker ist man durch die fächerübergreifende Ausbildung und die damit verbundene Fähigkeit einen “Gesamtblick” über Projekte zu haben geradezu prädestiniert früher oder später eine Projektführung zu übernehmen. Hier kommt nun die Soziologie ins Spiel. Eine Führungsposition beinhaltet natürlich auch meist das Führen von Mitarbeitern, wozu soziologische Fähigkeiten unabdingbar sind.

Über die Personalführung hinaus geht die Organisationsgestaltung. Da innovative IT-Systeme in manchen Fällen massiv in bestehende Organisationsstrukturen eingreifen und diese oftmals verändern, spielt hier zum Beispiel die Unternehmenskultur eine ganz bedeutende Rolle. Es besteht die Gefahr einer fehlenden Nutzerakzeptanz, weil Grenzen überschritten werden, die nur von Menschen mit soziologischem Denkvermögen erkannt werden.

Ein weiterer Aspekt, der sich nicht sofort erschließt, in meinen Augen aber umso wichtiger ist, ist tatsächlich eine Kulturfrage. Eine Erkenntnis in der Wirtschaftsinformatik ist beispielsweise, dass die wenigsten Projekte an technischen Problemen scheitern, sondern vielmehr an fachlichen oder gar den Umgebungsbedingungen. Hier kommt die Soziologie an der Stelle ins Spiel, an der Menschen einem Kontakt mit IT-gestützten Systemen ausgesetzt werden. Fragen wie Datenschutz, Kontrolle über das System, Privatsphäre und ähnliches spielen hier eine Rolle. Technisch gesehen ist heutzutage vieles möglich, aber irgendwo ist auch immer ein Mensch in ein solches Gesamtsystem involviert und an dieser Stelle hilft die beste Technik nichts wenn massiv gegen gebräuchliche Normen und Werte verstoßen wird. Einer der größten Innovatoren in den letzten Jahren war und ist sicherlich Google. Trotz allem sieht sich Google gerade massiven Kritiken von verschiedensten Regierungen, Kartellämtern und Datenschutzverbänden ausgesetzt. Warum? Weil Google sich teilweise zu sehr auf das technisch Mögliche konzentriert und das wiederum nicht mit Erwartungen und Vorstellungen der betroffenen und involvierten Personen abstimmt.

Nicht zuletzt spielt die Soziologie dann auch dort eine Rolle wo zur Strategieentwicklung Markttrends und Kulturveränderungen zu erkennen sind um auf solche Veränderungen reagieren und ein Unternehmen entsprechend ausrichten zu könnnen.

Fazit: Die Soziologie spielt in der Wirtschaftsinformatik keine Kernrolle, ist aber ein Aspekt, der durchaus wichtig ist und nicht aus dem Auge verloren werden sollte.

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